Der Kauf eines Gebrauchtwagens mit Automatikgetriebe ist für viele Autofahrer eine attraktive Lösung. Automatik bietet Komfort, insbesondere im Stadtverkehr und bei langen Fahrten. Gleichzeitig gehört das Getriebe zu den teuersten Komponenten eines Fahrzeugs. Ein verschlissenes oder beschädigtes Automatikgetriebe kann schnell hohe Reparaturkosten verursachen. Deshalb lohnt es sich, vor dem Kauf genau zu prüfen, ob die Automatik tatsächlich einwandfrei funktioniert.
Aber wie kann man ein Automatikgetriebe prüfen, wenn man kein Fachmann ist? Mit einigen einfachen Tests während der Besichtigung und Probefahrt lassen sich bereits viele Warnsignale erkennen. Noch sicherer ist eine zusätzliche Kontrolle in einer unabhängigen Werkstatt.

Welche Art von Automatikgetriebe ist verbaut?

Bevor die Probefahrt beginnt, sollte man zunächst herausfinden, welches Getriebe im Fahrzeug verbaut ist. Nicht jede Automatik funktioniert nach demselben Prinzip. Es gibt klassische Wandlerautomaten, Doppelkupplungsgetriebe wie DSG sowie stufenlose CVT-Getriebe. Auch automatisierte Schaltgetriebe werden häufig als Automatik bezeichnet, obwohl ihre Konstruktion anders ist.
Wer sich fragt, wie man herausfindet, welches Getriebe verbaut ist, kann zunächst die Fahrzeugdokumentation, die FIN beziehungsweise VIN oder die Angaben des Herstellers prüfen. Der genaue Getriebecode ist wichtig, weil sich Wartungsintervalle, typische Schwachstellen und die richtige Prüfmethode je nach Modell unterscheiden können.

Servicehistorie des Getriebes kontrollieren

Noch vor der Probefahrt sollte man den Verkäufer nach der Wartungshistorie fragen. Besonders wichtig sind Rechnungen oder Serviceeinträge über einen Getriebeölwechsel beziehungsweise andere Arbeiten am Getriebe.
Dabei sollte man sich nicht ausschließlich auf Aussagen wie „Das Getriebe wurde immer gewartet“ verlassen. Besser sind konkrete Rechnungen und nachvollziehbare Angaben zu Datum, Kilometerstand und durchgeführten Arbeiten.
Auch die Aussage, dass das Getriebeöl „lebenslang“ halten soll, sollte genauer hinterfragt werden. Je nach Hersteller und Getriebetyp gelten unterschiedliche Wartungsempfehlungen.

Das Fahrzeug möglichst kalt besichtigen

Ein wichtiger Tipp bei der Prüfung eines Gebrauchtwagens: Wenn möglich, sollte das Auto bei der Ankunft noch nicht warmgefahren sein. Vereinbaren Sie deshalb am besten einen Termin und bitten Sie den Verkäufer, das Fahrzeug vorher nicht zu bewegen.
Warum ist das wichtig? Einige Probleme können bei einem kalten Getriebe deutlicher auftreten. Außerdem lässt sich beobachten, wie sich die Automatik direkt nach dem Start verhält.
Natürlich ist ein bereits warmes Fahrzeug noch kein Beweis für einen Defekt. Wenn der Verkäufer das Auto jedoch grundsätzlich nur warm vorführt und keine kalte Probefahrt zulässt, sollte man nach dem Grund fragen.

Wählhebel und Schaltstufen überprüfen

Setzen Sie sich ins Fahrzeug, starten Sie den Motor und halten Sie das Bremspedal gedrückt. Schalten Sie anschließend vorsichtig zwischen P, R, N und D.
Die Automatik sollte auf die Auswahl der Fahrstufe nachvollziehbar reagieren. Ein kleiner Ruck kann bei manchen Fahrzeugen normal sein. Starke Schläge, ungewöhnliche Geräusche oder eine deutliche Verzögerung beim Einlegen von D oder R sind dagegen Warnzeichen.
Besonders auffällig ist es, wenn nach dem Wechsel auf D oder R mehrere Sekunden vergehen, bevor das Fahrzeug reagiert. Auch ein harter Schlag beim Einlegen des Rückwärtsgangs sollte genauer untersucht werden.

Wie erkennt man während der Probefahrt ein funktionierendes Getriebe?

Die Probefahrt ist der wichtigste Teil der Prüfung. Sie sollte nicht nur wenige Minuten dauern und möglichst verschiedene Fahrsituationen umfassen.
Beginnen Sie mit einem sanften Anfahren. Das Fahrzeug sollte sich kontrolliert und gleichmäßig in Bewegung setzen. Anschließend können Sie stärker beschleunigen und beobachten, wie das Getriebe die Gänge wechselt.
Achten Sie auf:

  • starke Rucke beim Schalten,
  • ungewöhnliche Vibrationen,
  • Verzögerungen beim Kraftschluss,
  • stark schwankende Motordrehzahlen,
  • ungewöhnliche Geräusche,
  • Durchrutschen der Gänge,
  • Probleme beim Anfahren.

Ein gewisses Schaltgefühl ist je nach Getriebetyp normal. Entscheidend ist, ob das Verhalten gleichmäßig und reproduzierbar ist.

Auf Durchrutschen achten

Ein besonders wichtiges Warnsignal ist das sogenannte Durchrutschen. Dabei steigt die Motordrehzahl deutlich an, obwohl das Fahrzeug nicht entsprechend beschleunigt.
Dieses Verhalten kann verschiedene Ursachen haben, beispielsweise verschlissene Kupplungselemente, Probleme mit der Getriebesteuerung oder andere technische Defekte. Als Käufer sollte man ein solches Symptom nicht ignorieren.
Um das Verhalten zu beurteilen, kann man während der Probefahrt unter sicheren Bedingungen etwas stärker beschleunigen. Wenn die Drehzahl plötzlich stark ansteigt und die Geschwindigkeit nicht entsprechend folgt, sollte das Fahrzeug vor einem Kauf unbedingt professionell geprüft werden.

Rückwärtsfahren und Rangieren testen

Auch beim Rangieren kann man wertvolle Informationen über den Zustand der Automatik erhalten. Fahren Sie langsam rückwärts, stoppen Sie und wechseln Sie anschließend wieder in D.
Achten Sie darauf, ob der Kraftschluss sofort und kontrolliert erfolgt. Starkes Ruckeln, ungewöhnliche Geräusche oder eine lange Verzögerung zwischen der Wahl der Fahrstufe und der Bewegung des Fahrzeugs sind Gründe für eine genauere Untersuchung.
Gerade bei Doppelkupplungsgetrieben können langsames Rangieren und häufiges Anfahren Besonderheiten zeigen, die bei einer normalen Fahrt mit höherer Geschwindigkeit kaum auffallen.

Wie kann man ein DSG-Getriebe prüfen?

Bei einem DSG sollte man besonders darauf achten, wie sich das Fahrzeug beim Anfahren und bei niedrigen Geschwindigkeiten verhält. Wer wissen möchte, wie man ein DSG-Getriebe prüft, sollte deshalb nicht nur auf die Schaltvorgänge bei schneller Fahrt achten.
Testen Sie das Auto beim langsamen Anfahren, beim Rückwärtsfahren, im Stop-and-go-Verkehr und bei stärkerer Beschleunigung. Ruckeln beim Anfahren, ungewöhnliche Vibrationen oder auffällige Verzögerungen können auf Probleme mit den Kupplungen oder der Mechatronik hindeuten.
Dabei gilt jedoch: Ein bestimmtes Verhalten lässt sich nicht ohne Weiteres als Defekt bewerten. Für eine zuverlässige Diagnose müssen Getriebetyp, Kilometerstand, Softwarestand und Wartungshistorie berücksichtigt werden.

Wie prüft man die Kupplung bei einem Automatikgetriebe?

Die Frage Wie kann man die Kupplung bei einem Automatikgetriebe prüfen? lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei einem klassischen Wandlerautomaten ist die Technik anders aufgebaut als bei einem DSG.
Bei einem Doppelkupplungsgetriebe können beispielsweise Ruckeln beim Anfahren oder Vibrationen Hinweise auf einen Verschleiß der Kupplungen geben. Bei einem Wandlerautomaten sind dagegen andere Komponenten für die Kraftübertragung entscheidend.
Deshalb sollte man keine klassischen Kupplungstests aus einem Fahrzeug mit Handschaltung auf jede Automatik übertragen.

Getriebeöl und mögliche Undichtigkeiten kontrollieren

Wenn die Konstruktion des Getriebes eine Ölprüfung zulässt, sollte auch der Zustand des Getriebeöls berücksichtigt werden. Dabei müssen die vom Hersteller vorgeschriebenen Prüfbedingungen eingehalten werden, da Temperatur und Vorgehensweise je nach Getriebe unterschiedlich sein können.
Ein auffälliger Geruch, starke Verunreinigungen oder ein ungewöhnlicher Ölzustand können auf Probleme hindeuten. Allerdings sollte man nicht allein anhand der Farbe des Öls entscheiden, ob das Getriebe gut oder schlecht ist.
Zusätzlich lohnt sich ein Blick unter das Fahrzeug. Frische Ölspuren oder feuchte Stellen am Getriebe können auf eine Undichtigkeit hinweisen. In diesem Fall sollte vor dem Kauf geklärt werden, woher das Öl stammt und wie aufwendig die Reparatur wäre.

Elektronische Diagnose durchführen

Moderne Automatikgetriebe verfügen über elektronische Steuergeräte. Deshalb ist eine Diagnose mit einem geeigneten Diagnosegerät ein wichtiger Bestandteil einer professionellen Prüfung.
Dabei können unter anderem gespeicherte Fehler ausgelesen und – abhängig vom Fahrzeug – weitere Betriebsdaten überprüft werden. Dass keine Warnleuchte im Cockpit leuchtet, bedeutet nämlich nicht automatisch, dass keine Fehler gespeichert sind.
Eine einfache OBD-Prüfung kann erste Hinweise liefern. Bei einem teuren Gebrauchtwagen ist es jedoch besser, die Diagnose von einer Werkstatt durchführen zu lassen, die Erfahrung mit dem jeweiligen Getriebetyp hat.

Was tun bei einem gebrauchten Austauschgetriebe?

Manchmal wurde die Automatik eines Gebrauchtwagens bereits ausgetauscht. In diesem Fall sollte man besonders genau nachfragen. Eine gebrauchte Getriebebox – wie lässt sich ihr Zustand prüfen? Entscheidend sind hier die Dokumentation und die Herkunft des Ersatzteils.
Lassen Sie sich möglichst Rechnungen über den Kauf und Einbau zeigen. Interessant sind außerdem der Kilometerstand des Spenderfahrzeugs und die genaue Teilenummer beziehungsweise der Getriebecode.
Wer selbst nach einem Ersatzteil sucht und beispielsweise „Ich kaufe ein Automatikgetriebe“ beziehungsweise „gebrauchtes Automatikgetriebe kaufen“ als Suchbegriff verwendet, sollte unbedingt auf die exakte Kompatibilität achten. Ein optisch ähnliches Getriebe passt nicht zwangsläufig zu Motor, Steuergerät und Fahrzeugmodell.

Wann sollte man vom Kauf Abstand nehmen?

Nicht jedes leichte Rucken bedeutet automatisch einen schweren Getriebeschaden. Mehrere auffällige Symptome gleichzeitig sollten jedoch ernst genommen werden.
Besonders kritisch sind:

  • starke Schläge beim Gangwechsel,
  • verzögertes Einlegen von D oder R,
  • deutliches Durchrutschen,
  • ungewöhnliche Geräusche,
  • starke Vibrationen,
  • Ölverlust,
  • Warnmeldungen im Kombiinstrument,
  • wiederkehrende Probleme beim Anfahren,
  • fehlende Wartungsunterlagen.

Auch wenn der Verkäufer eine unabhängige Prüfung in einer Werkstatt ablehnt, ist Vorsicht angebracht. Ein seriöser Verkäufer sollte grundsätzlich Verständnis dafür haben, dass der Käufer ein technisch komplexes Fahrzeug vor dem Kauf überprüfen lassen möchte.